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Leistenschmerzen beim Sport: Steckt der Beckenboden dahinter?

Veröffentlicht am: 07.08.2026

Leistenschmerzen beim Sport: Wenn die Beschwerden einfach nicht verschwinden

Leistenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden bei sportlich aktiven Männern. Ob beim Fußball, Joggen, Tennis, Krafttraining oder Radsport – viele Betroffene erleben plötzlich auftretende oder schleichend zunehmende Schmerzen in der Leistengegend, die das Training erschweren oder sogar unmöglich machen.

Oft wird zunächst an eine Zerrung der Adduktoren, eine Überlastung der Hüftmuskulatur oder einen Leistenbruch gedacht. Nicht selten folgen Physiotherapie, Schonung oder verschiedene bildgebende Untersuchungen. Dennoch berichten viele Männer, dass die Beschwerden trotz Behandlung immer wieder auftreten oder nie vollständig verschwinden.

Gerade wenn klassische Ursachen ausgeschlossen wurden oder die Schmerzen chronisch werden, lohnt sich ein umfassender Blick auf das gesamte Bewegungssystem. Neben Muskeln, Sehnen und Gelenken können auch funktionelle Zusammenhänge im Bereich des Beckenbodens, der tiefen Bauchmuskulatur, der Hüfte, der Faszien und des Nervensystems eine Rolle spielen.

Nicht jede Leistenschmerzproblematik hat ihre Ursache im Beckenboden. Gleichzeitig wird dieser Bereich bei sportlich aktiven Männern häufig gar nicht untersucht – obwohl er einen wichtigen Beitrag zur Stabilität und Kraftübertragung im gesamten Becken leistet.

Leistenschmerzen beim Sport – funktionelle Zusammenhänge zwischen Hüfte, Adduktoren und Beckenboden

Was sind Leistenschmerzen überhaupt?

Leistenschmerzen beschreiben Beschwerden im Übergangsbereich zwischen Unterbauch und Oberschenkel. Sie können plötzlich nach einer sportlichen Belastung auftreten oder sich über Wochen und Monate schleichend entwickeln.

Die Schmerzen werden sehr unterschiedlich beschrieben. Manche Sportler berichten über ein Ziehen oder Stechen in der Leiste, andere über ein Druckgefühl, Brennen oder Schmerzen bei bestimmten Bewegungen.

Typische Situationen sind beispielsweise:

  • Schmerzen beim Sprinten
  • Beschwerden beim Richtungswechsel
  • Schmerzen beim Schießen eines Balls
  • Beschwerden beim Anheben des Beines
  • Schmerzen nach längeren Laufeinheiten
  • Beschwerden beim Krafttraining
  • Leistenschmerzen nach intensiven Trainingseinheiten

Nicht selten strahlen die Beschwerden zusätzlich in benachbarte Regionen aus.

Mögliche Ausstrahlungsbereiche sind:

  • Unterbauch
  • Schambein
  • Adduktoren
  • Hüfte
  • Gesäß
  • Damm
  • Hoden
  • Lendenwirbelsäule

Gerade diese unterschiedlichen Schmerzverläufe zeigen, dass Leistenschmerzen häufig komplexer sind, als es zunächst erscheint.

Athletischer Mann mit transparenter Darstellung von Hüfte und Leiste als Illustration von Leistenschmerzen beim Sport

Welche Ursachen können Leistenschmerzen beim Sport haben?

Leistenschmerzen gehören zu den anspruchsvollsten Beschwerdebildern in der Sportmedizin. Häufig sind mehrere Strukturen gleichzeitig beteiligt, weshalb eine sorgfältige Diagnostik besonders wichtig ist.

Zu den häufigsten Ursachen gehören unter anderem:

Adduktorenverletzungen

Zerrungen oder Überlastungen der Adduktoren zählen zu den häufigsten Ursachen von Leistenschmerzen – insbesondere bei Fußballspielern, Läufern und Sportarten mit schnellen Richtungswechseln.

Hüftgelenksprobleme

Auch Veränderungen am Hüftgelenk, beispielsweise ein femoroacetabuläres Impingement (FAI) oder Knorpelveränderungen, können Schmerzen verursachen, die in die Leiste ausstrahlen.

Schambeinentzündung (Osteitis pubis)

Vor allem bei intensiven Sportarten mit wiederholten Rotationsbewegungen kann es zu einer Reizung im Bereich der Schambeinfuge kommen.

Sportlerleiste (Athletic Pubalgia)

Die sogenannte Sportlerleiste beschreibt ein komplexes Beschwerdebild im Bereich der Leiste und der Bauchwand. Anders als bei einem klassischen Leistenbruch liegt dabei häufig keine eindeutige Hernie vor.

Leistenbruch (Hernie)

Auch ein Leistenbruch kann Leistenschmerzen verursachen und sollte insbesondere bei entsprechenden Beschwerden ärztlich ausgeschlossen werden.

Sehnen- und Muskelreizungen

Überlastungen der Bauchmuskulatur, der Hüftbeuger oder anderer Muskelgruppen können ebenfalls zu Schmerzen im Leistenbereich führen.

Medizinische 3D-Illustration von Becken, Hüfte, Adduktoren und Beckenboden als mögliche funktionelle Ursachen von Leistenschmerzen beim Sport

Veränderungen der Lendenwirbelsäule

Nervenreizungen oder Funktionsstörungen der Lendenwirbelsäule können Schmerzen in die Leiste übertragen und dadurch andere Ursachen vortäuschen.

Funktionelle Zusammenhänge

Neben den klassischen orthopädischen Ursachen können auch funktionelle Veränderungen des Bewegungsapparates an den Beschwerden beteiligt sein. Hierzu zählen unter anderem Veränderungen der Muskelkoordination, der Faszien oder der Beckenbodenfunktion.

Gerade wenn die Beschwerden trotz verschiedener Behandlungen bestehen bleiben oder immer wieder auftreten, kann es sinnvoll sein, diese Zusammenhänge genauer zu untersuchen.

Warum bleiben Leistenschmerzen manchmal trotz Therapie bestehen?

Viele Sportler erleben einen ähnlichen Verlauf:

Nach einer Trainingspause werden die Beschwerden zunächst besser. Sobald die Belastung wieder steigt, kehren die Schmerzen jedoch zurück.

Häufig wurden bereits verschiedene Therapien durchgeführt – beispielsweise Physiotherapie, Dehnübungen, Kräftigungsprogramme oder lokale Behandlungen. Dennoch bleibt die gewünschte Besserung aus.

Ein möglicher Grund dafür ist, dass sich Leistenschmerzen nicht immer auf eine einzelne Struktur zurückführen lassen.

Der Körper funktioniert nicht in einzelnen Muskelgruppen, sondern als vernetztes System. Veränderungen der Hüfte können die Belastung der Adduktoren verändern. Einschränkungen der Beweglichkeit können sich auf die Körperstatik auswirken. Auch Muskelspannung, Faszien oder die Koordination zwischen verschiedenen Muskelgruppen spielen eine wichtige Rolle.

Deshalb bedeutet ein unauffälliges MRT oder eine normale Ultraschalluntersuchung nicht zwangsläufig, dass keine funktionellen Veränderungen vorliegen.

Gerade bei wiederkehrenden oder chronischen Leistenschmerzen lohnt sich deshalb häufig ein Blick über die eigentliche Schmerzregion hinaus.

Sportmedizinische Diagnostik bei wiederkehrenden Leistenschmerzen mit Ultraschall und funktioneller Untersuchung

Welche Rolle kann der Beckenboden bei Leistenschmerzen spielen?

Wenn von Leistenschmerzen die Rede ist, denken die meisten Menschen zunächst an die Adduktoren, die Hüfte oder einen Leistenbruch. Der Beckenboden wird dabei nur selten berücksichtigt – obwohl er ein wichtiger Bestandteil des gesamten Bewegungssystems ist.

Der Beckenboden bildet gemeinsam mit der tiefen Bauchmuskulatur, dem Zwerchfell, der Hüfte und der Wirbelsäule ein funktionelles Netzwerk. Bei nahezu jeder sportlichen Bewegung trägt er dazu bei, das Becken zu stabilisieren, Kräfte zu übertragen und die Körpermitte zu koordinieren.

Gerade bei Sportarten mit schnellen Richtungswechseln, explosiven Bewegungen oder hoher Rumpfstabilität – beispielsweise Fußball, Leichtathletik, Tennis, Kampfsport oder Krafttraining – wird dieses System erheblich beansprucht.

Kommt es innerhalb dieses komplexen Zusammenspiels zu funktionellen Veränderungen, können sich Belastungen auf andere Strukturen übertragen. Dadurch entstehen nicht selten Beschwerden, die zunächst ausschließlich den Adduktoren oder der Leiste zugeschrieben werden.

Das bedeutet jedoch nicht, dass der Beckenboden die Ursache jeder Leistenschmerzproblematik ist. Er kann jedoch ein wichtiger Bestandteil des gesamten Beschwerdebildes sein und sollte insbesondere bei wiederkehrenden oder chronischen Beschwerden mit in die Diagnostik einbezogen werden.

 

Transparente Anatomiedarstellung des Beckenbodens, der Hüfte und der Adduktoren bei sportbedingten Leistenschmerzen

Viele Männer wissen gar nicht, welche Aufgaben der Beckenboden im Alltag und beim Sport übernimmt. Mehr über Anatomie und Funktion erfahren Sie in unserem Beitrag „Warum Männer einen Beckenboden haben – und warum kaum jemand darüber spricht“.

Warum arbeitet der Beckenboden nie allein?

Der Beckenboden ist keine isolierte Muskelgruppe. Er arbeitet bei jeder Bewegung eng mit anderen Strukturen zusammen.

Hierzu gehören unter anderem:

  • das Zwerchfell
  • die tiefe Bauchmuskulatur
  • die Rückenmuskulatur
  • die Hüftmuskulatur
  • die Adduktoren
  • die Faszien
  • das vegetative Nervensystem

Während des Laufens, Springens oder Hebens muss dieses System permanent zusammenarbeiten. Wird eine Struktur stärker belastet oder verändert sich die Muskelkoordination, kann sich dies auf das gesamte Bewegungssystem auswirken.

Gerade deshalb beschränken sich funktionelle Beschwerden häufig nicht nur auf die Leiste. Sie können zusätzlich im Bereich des Schambeins, der Hüfte, des Damms, des Gesäßes oder der Lendenwirbelsäule auftreten.

 

Mann mit transparenter Darstellung von Lendenwirbelsäule, Hüfte, Becken, Leiste und Damm

Wie eng Zwerchfell, Atmung, Zunge und Beckenboden zusammenarbeiten, erklären wir ausführlich in unserem Beitrag „Mundatmung – Zunge – Zwerchfell – Beckenboden: Warum alles zusammenhängt“.

Faszien, Narben und frühere Sportverletzungen

Nicht nur akute Verletzungen können langfristig Einfluss auf die Belastbarkeit des Körpers haben.

Auch frühere Zerrungen, Muskelverletzungen, Operationen oder Narben können die Beweglichkeit einzelner Gewebestrukturen verändern und dadurch funktionelle Zusammenhänge beeinflussen.

Hierzu gehören beispielsweise:

  • wiederholte Adduktorenzerrungen
  • Muskelverletzungen im Oberschenkel
  • Leistenbruchoperationen
  • Hüftoperationen
  • Narben im Unterbauch oder Beckenbereich

Narben sind ein normaler Bestandteil der Wundheilung. In manchen Fällen können sie jedoch die Beweglichkeit des Gewebes oder die fasziale Spannung verändern. Ob dies tatsächlich zu den Beschwerden beiträgt, lässt sich nur im Rahmen einer individuellen Untersuchung beurteilen.

Athlet mit dezenter Narbe im Leistenbereich und Darstellung funktioneller Faszienverbindungen nach einer Sportverletzung

Welche funktionellen Zusammenhänge untersuchen wir?

Bei anhaltenden oder wiederkehrenden Leistenschmerzen betrachten wir nicht ausschließlich die schmerzende Region.

Unser Ziel ist es, mögliche Zusammenhänge innerhalb des gesamten Bewegungssystems zu erkennen.

Je nach Beschwerdebild können unter anderem folgende Bereiche untersucht werden:

  • Beweglichkeit der Hüftgelenke
  • Funktion der Lendenwirbelsäule
  • Iliosakralgelenke
  • Beckenstatik
  • Muskelkoordination
  • Adduktoren
  • Bauchmuskulatur
  • Beckenboden
  • Faszien
  • Gang- und Bewegungsanalyse
  • funktionelle Belastungsmuster

Gerade dieses Zusammenspiel liefert häufig wichtige Hinweise darauf, warum Beschwerden trotz verschiedener Behandlungen bestehen bleiben oder immer wieder auftreten.

Erfahrung aus Sport und Praxis

Sportbedingte Leistenschmerzen, Hüftbeschwerden und chronische Beschwerden im Beckenbereich gehören zu den häufigsten Gründen, warum sportlich aktive Männer unsere Praxis aufsuchen.

Ralf Vogt kennt diese Belastungen nicht nur aus seiner langjährigen therapeutischen Tätigkeit, sondern auch aus eigener sportlicher Erfahrung. Er war viele Jahre in der Leichtathletik und im Triathlon aktiv und trainierte verschiedene Kampfsportarten wie Ninjutsu und Wing Chun. Dadurch kennt er die unterschiedlichen Bewegungsabläufe, Belastungsmuster und körperlichen Anforderungen vieler Sportarten auch aus eigener Erfahrung.

Diese praktische Erfahrung verbindet er heute mit moderner funktioneller Diagnostik, Osteopathie und muskuloskelettalem Ultraschall. Ziel ist es, Beschwerden nicht isoliert zu betrachten, sondern die individuellen Zusammenhänge zu erkennen, die zu wiederkehrenden oder chronischen Leistenschmerzen beitragen können.

Ralf Vogt beim Joggen als Ausdruck langjähriger eigener Sporterfahrung in der Betreuung sportlich aktiver Männer

Warum eine strukturierte Diagnostik entscheidend ist

Leistenschmerzen können zahlreiche Ursachen haben. Deshalb gibt es selten eine Standardlösung, die jedem Betroffenen gleichermaßen hilft.

Unser Grundsatz lautet:

Erst verstehen – dann gezielt behandeln.

Je nach Beschwerden kann eine strukturierte Diagnostik unter anderem folgende Bausteine umfassen:

  • ausführliche Anamnese
  • Analyse bisheriger Befunde
  • klinische Untersuchung
  • Inspektion und Palpation
  • osteopathische Funktionsdiagnostik
  • Untersuchung von Hüfte, Becken und Wirbelsäule
  • dynamische muskuloskelettale Ultraschalldiagnostik
  • funktionelle Beckenbodenanalyse mit dem PelvicTool®

Gerade das Zusammenspiel dieser Untersuchungen ermöglicht häufig ein umfassenderes Verständnis der individuellen Beschwerden und bildet die Grundlage für eine gezielte Therapieplanung.

Wie eine moderne Beckenbodendiagnostik mit Ultraschall beim Mann abläuft und welche zusätzlichen Informationen sie liefern kann, erfahren Sie ausführlich in unserem Beitrag „Beckenbodendiagnostik mit Ultraschall beim Mann“.

Fazit: Leistenschmerzen beim Sport sollten ganzheitlich betrachtet werden

Leistenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden bei sportlich aktiven Männern. Während akute Verletzungen häufig gut diagnostiziert werden können, bleiben wiederkehrende oder chronische Beschwerden oft eine Herausforderung.

Neben klassischen Ursachen wie Muskelverletzungen, Sehnenreizungen oder Veränderungen am Hüftgelenk können auch funktionelle Zusammenhänge innerhalb des gesamten Bewegungssystems eine Rolle spielen. Dazu gehören unter anderem der Beckenboden, die Hüftmuskulatur, die Faszien, die Körperstatik sowie das Zusammenspiel von Atmung, Rumpfstabilität und Muskelkoordination.

Gerade wenn Beschwerden trotz Physiotherapie, Training oder unauffälliger Untersuchungen bestehen bleiben, kann eine strukturierte funktionelle Diagnostik helfen, mögliche Zusammenhänge besser zu verstehen und die Grundlage für eine individuell abgestimmte Behandlung zu schaffen.

Unser Ziel ist es, nicht nur die schmerzende Struktur zu betrachten, sondern den Menschen als Ganzes. Denn häufig zeigt erst das Zusammenspiel verschiedener Befunde, warum Leistenschmerzen entstehen oder immer wieder auftreten.

Sportlicher Mann läuft entspannt durch den Wald als Symbol für schmerzfreie Bewegung und Lebensqualität

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Woher kommen Leistenschmerzen beim Sport?

Leistenschmerzen können viele Ursachen haben. Häufig sind Muskel- oder Sehnenverletzungen, Überlastungen der Adduktoren, Hüftgelenksprobleme oder Veränderungen im Bereich der Schambeinfuge beteiligt. Daneben können auch funktionelle Zusammenhänge des Bewegungsapparates eine Rolle spielen.

Können die Adduktoren Leistenschmerzen verursachen?

Ja. Überlastungen oder Verletzungen der Adduktoren zählen zu den häufigsten Ursachen von Leistenschmerzen bei Sportlern. Da die Adduktoren eng mit anderen Muskelgruppen zusammenarbeiten, sollten jedoch auch angrenzende Strukturen in die Diagnostik einbezogen werden.

Kann der Beckenboden an Leistenschmerzen beteiligt sein?

Ja, bei einigen Männern kann der Beckenboden Teil des gesamten Beschwerdebildes sein. Er arbeitet eng mit der Bauchmuskulatur, den Adduktoren, der Hüfte und dem Zwerchfell zusammen und trägt wesentlich zur Stabilität des Beckens bei.

Warum zeigen MRT oder Ultraschall manchmal keinen eindeutigen Befund?

Bildgebende Verfahren sind wichtig, um Verletzungen oder strukturelle Veränderungen zu erkennen beziehungsweise auszuschließen. Funktionelle Veränderungen der Muskelkoordination, der Faszien oder des Bewegungsapparates lassen sich dadurch jedoch nicht immer vollständig beurteilen.

Was ist eine Sportlerleiste?

Die Sportlerleiste beschreibt ein komplexes Beschwerdebild im Bereich der Leiste, bei dem häufig mehrere Strukturen beteiligt sind. Anders als bei einem klassischen Leistenbruch liegt dabei nicht immer eine eindeutige Hernie vor.

Können Hüfte und Beckenboden zusammenhängen?

Ja. Hüfte, Beckenboden, Bauchmuskulatur und Wirbelsäule arbeiten bei nahezu jeder Bewegung eng zusammen. Veränderungen einer Struktur können sich deshalb auf andere Bereiche übertragen.

 

FAQs Ganzheitliche Diagnostik

Können frühere Sportverletzungen oder Operationen langfristig Einfluss haben?

Frühere Muskelverletzungen, Operationen oder Narben können die Beweglichkeit einzelner Gewebestrukturen verändern. Ob dies im individuellen Fall zu den Beschwerden beiträgt, sollte im Rahmen einer funktionellen Untersuchung beurteilt werden.

Wann sollte ich Leistenschmerzen untersuchen lassen?

Beschwerden, die länger bestehen bleiben, immer wieder auftreten oder sportliche Aktivitäten deutlich einschränken, sollten ärztlich abgeklärt werden. Eine funktionelle Diagnostik kann – abhängig von den bisherigen Befunden – eine sinnvolle Ergänzung sein.

Kann Osteopathie bei Leistenschmerzen sinnvoll sein?

Je nach Ursache kann eine osteopathische Untersuchung helfen, funktionelle Zusammenhänge zwischen Hüfte, Becken, Wirbelsäule, Faszien und Beckenboden besser zu erkennen. Ob eine osteopathische Behandlung sinnvoll ist, sollte immer individuell entschieden werden.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Leistenschmerzen zählen zu den häufigsten Beschwerden im Sport und stellen aufgrund ihrer vielfältigen Ursachen eine diagnostische Herausforderung dar. Internationale Experten empfehlen deshalb, Leistenschmerzen nicht ausschließlich einer einzelnen Struktur zuzuordnen, sondern verschiedene anatomische Regionen und funktionelle Zusammenhänge systematisch zu untersuchen. Hierzu gehören unter anderem die Adduktoren, die Hüfte, die Bauchwand, die Schambeinfuge sowie angrenzende muskuloskelettale Strukturen.¹

Darüber hinaus zeigen aktuelle wissenschaftliche Arbeiten, dass chronische Leistenschmerzen häufig multifaktoriell entstehen. Neben lokalen Überlastungen können auch Veränderungen der Muskelkoordination, der Rumpfstabilität sowie myofasziale und funktionelle Zusammenhänge zur Entstehung oder Aufrechterhaltung der Beschwerden beitragen.²

Gerade bei wiederkehrenden Beschwerden trotz unauffälliger bildgebender Diagnostik gewinnt deshalb eine strukturierte funktionelle Untersuchung zunehmend an Bedeutung, um individuelle Belastungsmuster besser zu verstehen und die Therapie gezielt darauf abzustimmen.³

Medizinische Fachliteratur, Anatomiemodell und Tablet als Symbol für wissenschaftlich fundierte Diagnostik und evidenzbasierte Therapie

Weiterführende wissenschaftliche Literatur

1. Doha Agreement Meeting

Doha Agreement Meeting on Terminology and Definitions in Groin Pain in Athletes

Internationaler Expertenkonsens zur Diagnostik und Einteilung von Leistenschmerzen bei Sportlern.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26031643/

2. Weir A et al.

Doha Agreement: Clinical Classification of Groin Pain in Athletes

Grundlage der modernen Einteilung sportbedingter Leistenschmerzen.

https://bjsm.bmj.com/content/49/12/768

3. Serner A et al.

Exercise Therapy for Groin Pain in Athletes

Aktuelle Übersichtsarbeit zur konservativen Behandlung sportbedingter Leistenschmerzen.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30482772/

4. Branci S et al.

MRI Findings in Athletes with Long-standing Groin Pain

Bedeutung der Bildgebung bei chronischen Leistenschmerzen.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24190813/

5. Delmore RJ et al.

Groin Pain in Athletes: A Systematic Review

Systematische Übersichtsarbeit zu Ursachen und Diagnostik sportbedingter Leistenschmerzen.

Medizinische Fachliteratur, Anatomiemodell und Tablet als Symbol für wissenschaftlich fundierte Diagnostik und evidenzbasierte Therapie

 

Hinweis:

Leistenschmerzen können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Die genannten Studien zeigen, dass Beschwerden häufig durch das Zusammenspiel verschiedener Strukturen entstehen. Eine sorgfältige Diagnostik ist deshalb entscheidend, um mögliche orthopädische, sportmedizinische und funktionelle Ursachen individuell einzuordnen.

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