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Schmerzen im Damm beim Mann – wann steckt der Beckenboden dahinter?

Veröffentlicht: 05.08.2026

Schmerzen im Damm – ein häufiges, aber wenig bekanntes Problem

Schmerzen oder ein unangenehmes Druckgefühl zwischen Hodensack und After gehören zu den Beschwerden, über die Männer nur selten sprechen. Dabei können sie den Alltag erheblich beeinträchtigen – sei es beim Sitzen, Sport, Radfahren oder sogar beim Wasserlassen und beim Geschlechtsverkehr.

Viele Betroffene haben bereits verschiedene Fachärzte aufgesucht. Häufig bleiben MRT, Ultraschall der Organe oder Laborwerte unauffällig. Die Beschwerden bestehen jedoch weiter.

Eine mögliche Ursache, die dabei häufig übersehen wird, ist der Beckenboden.

Schmerzen im Damm beim Mann, wann steckt der Beckenboden dahinter?

Was ist der Damm überhaupt?

Der Damm (Perineum) bezeichnet den Bereich zwischen Hodensack und After. Direkt darunter liegen wichtige Strukturen:

  • die Beckenbodenmuskulatur
  • Faszien und Bindegewebe
  • Nerven
  • Blutgefäße
  • Anteile der Harnröhre

In diesem Bereich treffen Bewegungsapparat, Nervensystem und Organe unmittelbar aufeinander. Bereits kleine funktionelle Störungen können daher sehr unterschiedliche Beschwerden verursachen.

Vielen Männern ist gar nicht bewusst, dass sie überhaupt einen Beckenboden besitzen und welche wichtigen Aufgaben dieser für Haltung, Kontinenz, Bewegung und die Sexualfunktion übernimmt. Mehr über Anatomie, Funktion und die Bedeutung des männlichen Beckenbodens erfahren Sie in unserem Beitrag „Warum Männer einen Beckenboden haben – und warum kaum jemand darüber spricht“.

Anatomische Seitenansicht des männlichen Beckens mit Beckenboden, Prostata, Harnblase, Enddarm und Dammbereich

Welche Beschwerden treten bei Schmerzen im Damm beim Mann auf?

Welche Beschwerden können mit einer gestörten Beckenbodenfunktion beim Mann zusammenhängen?

Nicht jede dieser Beschwerden hat zwangsläufig ihre Ursache im Beckenboden. Gleichzeitig wird dessen Bedeutung bei vielen Männern häufig unterschätzt.

Da der Beckenboden eng mit Muskulatur, Faszien, Nerven, Bauchraum, Hüfte, Lendenwirbelsäule und den Beckenorganen zusammenarbeitet, können Funktionsstörungen sehr unterschiedliche Symptome hervorrufen.

Unter anderem können folgende Beschwerden mit einer gestörten Beckenbodenfunktion in Zusammenhang stehen:

  • Schmerzen im Damm (zwischen Hoden und After)
  • Chronische Beckenschmerzen
  • Druck- oder Fremdkörpergefühl im Becken
  • Brennen oder Stechen im Dammbereich
  • Schmerzen beim Sitzen
  • Leistenschmerzen
  • Hodenschmerzen ohne eindeutigen organischen Befund
  • Schmerzen nach langem Radfahren oder intensivem Sport
  • Beschwerden beim Wasserlassen
  • Häufiger Harndrang oder erschwertes Wasserlassen
  • Schmerzen beim Samenerguss
  • Erektionsstörungen oder verminderte Beckenbodenkoordination
  • Beschwerden nach Prostataoperationen
  • Verspannungen im Bereich von Gesäß, Hüfte oder Lendenwirbelsäule

Welche Beschwerden treten bei Schmerzen im Damm beim Mann auf?

Viele dieser Beschwerden treten nicht isoliert auf. Häufig berichten Betroffene über eine Kombination verschiedener Symptome, die sich gegenseitig beeinflussen und im Alltag erheblich einschränken können

Genau deshalb ist es wichtig, nicht nur einzelne Symptome zu betrachten, sondern die Funktion des gesamten Beckenbodens und seiner angrenzenden Strukturen in die Diagnostik einzubeziehen.

Schmerzen im Damm beim Mann: Welche Ursachen kommen infrage?

Schmerzen im Dammbereich können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Dazu gehören unter anderem:

  • muskuläre Verspannungen des Beckenbodens
  • Überlastungen durch Sport oder langes Sitzen
  • Veränderungen nach Operationen
  • Narben oder Verletzungen
  • funktionelle Einschränkungen der Beckenbodenkoordination
  • fasziale Spannungen
  • Reizungen von Nerven
  • chronische Beckenschmerzsyndrome (CPPS)
  • urologische oder orthopädische Erkrankungen

Gerade deshalb ist eine sorgfältige Diagnostik entscheidend. Nicht jeder Schmerz hat dieselbe Ursache – und nicht jeder Patient benötigt dieselbe Behandlung.

 

Die Funktion des Beckenbodens steht jedoch nicht isoliert für sich. Er arbeitet eng mit der Bauchmuskulatur, der tiefen Rumpfmuskulatur und insbesondere mit dem Zwerchfell zusammen. Störungen in diesem Zusammenspiel können die Muskelspannung, Koordination und Druckregulation im gesamten Bauch- und Beckenraum beeinflussen.

Schmerzen im Damm beim Mann: Welche Ursachen kommen infrage?

Wie eng Zwerchfell, Beckenboden, Zunge und Körperhaltung miteinander verbunden sind, erfahren Sie in unserem Blogbeitrag „Mundatmung – Zunge – Zwerchfell – Beckenboden: Warum alles zusammenhängt“.

Warum Standarduntersuchungen manchmal keine Antwort liefern

Bildgebende Verfahren wie MRT oder klassische Ultraschalluntersuchungen sind wichtig, um strukturelle Erkrankungen auszuschließen.

Sie zeigen jedoch häufig nicht, wie der Beckenboden arbeitet.

Bewegt sich die Muskulatur harmonisch? Kann sie ausreichend entspannen? Wird sie bei Belastung richtig aktiviert? Wie verändert sich die Funktion beim Husten, Pressen oder Anspannen?

Diese funktionellen Fragen bleiben in vielen Standarduntersuchungen unbeantwortet.

Wie läuft die Beckenbodendiagnostik beim Mann ab?

Erst Diagnostik – dann Therapie.

Genau deshalb verfolgen wir in unserer Praxis einen mehrstufigen diagnostischen Ansatz.

Nicht jeder Patient benötigt automatisch alle Untersuchungen. Welche Diagnostik sinnvoll ist, richtet sich nach den individuellen Beschwerden und den bisherigen Befunden.

1. Klinische Untersuchung und ausführliche Funktionsdiagnostik

Den ersten Schritt bildet eine ausführliche Anamnese sowie eine körperliche Untersuchung.

Je nach Beschwerdebild gehören dazu unter anderem:

  • ausführliches Patientengespräch
  • Inspektion
  • Palpation
  • Bewegungsanalyse
  • osteopathische Untersuchung
  • Beurteilung von Haltung und Statik
  • Untersuchung von Bauch, Becken und angrenzenden Strukturen

Oft ergeben sich bereits hier erste Hinweise darauf, welche Strukturen möglicherweise an den Beschwerden beteiligt sind.

Warum der Beckenboden des Mannes genauso wichtig ist wie der der Frau?

2. Dynamische Ultraschalluntersuchung des Beckenbodens beim Mann

Ergänzend kann eine moderne muskuloskelettale Ultraschalldiagnostik eingesetzt werden.

Im Gegensatz zu einer statischen Aufnahme ermöglicht sie die Beurteilung der Strukturen während der Bewegung.

Dadurch lassen sich beispielsweise beobachten:

  • Aktivität einzelner Muskelgruppen
  • Zusammenarbeit der Beckenbodenmuskulatur
  • Beweglichkeit verschiedener Gewebe
  • Veränderungen bei Anspannung und Entspannung
  • funktionelle Auffälligkeiten im Bewegungsablauf

Die Untersuchung ist strahlungsfrei und erfolgt in Echtzeit.

KörperRaum™ Beckenboden-Ultraschall beim Mann – Funktionelle Diagnostik für den männlichen Beckenboden

KörperRaum™ Beckenboden-Ultraschall beim Mann – funktionelle Diagnostik des männlichen Beckenbodens

3. Funktionelle Beckenbodenanalyse mit dem PelvicTool beim Mann

Ergänzend kann eine objektive Funktionsmessung mit dem PelvicTool erfolgen.

Dabei werden unter anderem verschiedene Aspekte der Beckenbodenfunktion beurteilt, beispielsweise:

  • Muskelkraft
  • Koordination
  • Reaktionsfähigkeit
  • Ausdauer
  • Entspannungsfähigkeit

Gerade die Fähigkeit, den Beckenboden wieder vollständig loszulassen, spielt bei vielen chronischen Beschwerden eine entscheidende Rolle und wird im Alltag häufig unterschätzt.

KörperRaum™ Funktionelle Beckenbodenanalyse – Den Beckenboden objektiv messen und verstehen

Therapeut bespricht mit einem männlichen Patienten die funktionelle Beckenbodenanalyse mit dem PelvicTool

Warum mehrere Untersuchungen sinnvoll sein können

Jede diagnostische Methode liefert einen anderen Blickwinkel.

Während die klinische Untersuchung den gesamten Menschen betrachtet, zeigt der Ultraschall die Bewegung der Strukturen in Echtzeit. Die funktionelle Messung ergänzt diese Eindrücke durch objektive Daten zur Muskelaktivität.

Erst die Kombination dieser Informationen ermöglicht häufig ein umfassendes Verständnis der individuellen Beschwerden.

Schmerzen im Damm beim Mann, wann steckt der Beckenboden dahinter?

Unser Ziel: Die Ursache verstehen, nicht nur Symptome behandeln

Schmerzen im Dammbereich können viele Ursachen haben. Deshalb gibt es selten eine Standardlösung für alle Patienten.

Unser Ziel ist es, zunächst die möglichen Zusammenhänge sorgfältig zu analysieren und anschließend gemeinsam ein individuelles Therapiekonzept zu entwickeln – abgestimmt auf die persönliche Situation und den erhobenen Befund.

Wie macht man den Beckenboden des Mannes sichtbar?

Fazit

Anhaltende Dammschmerzen sollten nicht einfach hingenommen werden. Auch wenn bisherige Untersuchungen keine eindeutige Ursache gezeigt haben, können funktionelle Störungen des Beckenbodens eine Rolle spielen.

Eine strukturierte Diagnostik aus klinischer Untersuchung, dynamischer Ultraschalldiagnostik und – wenn sinnvoll – einer funktionellen Beckenbodenanalyse kann helfen, Zusammenhänge besser zu verstehen und die Grundlage für eine gezielte Behandlung zu schaffen.

Warum ist Beckenboden-Ultraschall beim Mann mit Leistenschmerzen sinnvoll?

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Können Dammschmerzen beim Mann vom Beckenboden kommen?

Ja, eine erhöhte Spannung oder eine gestörte Koordination der Beckenbodenmuskulatur kann zu Schmerzen im Bereich zwischen Hoden und After beitragen. Allerdings kommen auch urologische, orthopädische, neurologische oder andere Ursachen infrage. Deshalb ist eine sorgfältige Diagnostik wichtig.

Ich habe bereits ein MRT – warum können trotzdem Beschwerden bestehen?

Ein MRT zeigt vor allem anatomische Strukturen und dient dazu, ernsthafte Erkrankungen auszuschließen. Funktionelle Veränderungen der Muskulatur oder der Bewegungsabläufe lassen sich damit jedoch häufig nicht beurteilen. Genau hier können eine klinische Funktionsuntersuchung, eine dynamische Ultraschalluntersuchung und eine funktionelle Beckenbodenanalyse zusätzliche Informationen liefern.

Kann ein verspannter Beckenboden Erektionsprobleme verursachen?

Der Beckenboden spielt eine wichtige Rolle für Durchblutung, Nervenfunktion und die Koordination beim Wasserlassen sowie für die Sexualfunktion. Eine gestörte Beckenbodenfunktion kann daher bei manchen Männern zu sexuellen Beschwerden beitragen. Da Erektionsstörungen viele unterschiedliche Ursachen haben können, sollte immer eine umfassende ärztliche Abklärung erfolgen.

Können Stress und psychische Belastungen den Beckenboden beeinflussen?

Ja. Der Beckenboden reagiert eng auf das vegetative Nervensystem. Anhaltender Stress kann zu einer erhöhten Muskelspannung beitragen und bestehende Beschwerden verstärken. Deshalb betrachten wir bei der Diagnostik immer den gesamten Menschen und nicht nur einzelne Muskeln.

Helfen Beckenbodenübungen immer?

Nicht unbedingt. Während manche Patienten von einem gezielten Muskelaufbau profitieren, benötigen andere zunächst eine Verbesserung der Muskelentspannung und Koordination. Deshalb sollte vor Beginn eines Trainings möglichst geklärt werden, wie der Beckenboden tatsächlich funktioniert.

FAQs Ganzheitliche Diagnostik

Wann sollte ich Beschwerden ärztlich oder therapeutisch abklären lassen?

Wenn Beschwerden länger als einige Wochen bestehen, immer wieder auftreten oder den Alltag, Sport, Sitzen, Wasserlassen oder die Sexualfunktion beeinträchtigen, empfiehlt sich eine fachliche Abklärung.

Sie haben ähnliche Beschwerden?

In unserer Praxis kombinieren wir – je nach Fragestellung – eine ausführliche Anamnese und klinische Untersuchung mit einer dynamischen muskuloskelettalen Ultraschalldiagnostik sowie einer objektiven funktionellen Beckenbodenanalyse. So können wir die individuelle Funktion des Beckenbodens umfassend beurteilen und die Grundlage für eine gezielte Therapie schaffen.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die wissenschaftliche Forschung der letzten Jahre zeigt zunehmend, dass chronische Beckenschmerzen beim Mann häufig nicht ausschließlich durch die Prostata oder andere Beckenorgane erklärt werden können. Vielmehr rücken funktionelle Veränderungen der Beckenbodenmuskulatur, myofasziale Spannungen sowie das Zusammenspiel von Nervensystem und Muskulatur immer stärker in den Fokus.

Aktuelle Übersichtsarbeiten betonen zudem, dass ein biopsychosozialer und interdisziplinärer Ansatz mit einer sorgfältigen klinischen Untersuchung, der Beurteilung der Beckenbodenfunktion und – je nach Fragestellung – physiotherapeutischen bzw. funktionellen Maßnahmen heute als wichtiger Bestandteil der Diagnostik und Behandlung gilt.

Neuere Untersuchungen weisen außerdem darauf hin, dass moderne Verfahren wie die funktionelle Ultraschalldiagnostik wertvolle zusätzliche Informationen über die Aktivität und Koordination der Beckenbodenmuskulatur liefern können und zunehmend Eingang in die Beurteilung männlicher Beckenbodenfunktionsstörungen finden.

Medizinische Fachliteratur, Anatomiemodell und Tablet als Symbol für wissenschaftlich fundierte Diagnostik und evidenzbasierte Therapie

Weiterführende wissenschaftliche Literatur

Hinweis: Die genannten Studien dienen der allgemeinen wissenschaftlichen Einordnung des Themas. Nicht jede veröffentlichte Studie lässt sich unmittelbar auf jeden einzelnen Patienten übertragen. Eine individuelle Diagnostik und Therapieentscheidung sollte stets auf Grundlage der persönlichen Beschwerden und der erhobenen Befunde erfolgen.

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