Bauchschmerzen bei Kindern: Warum hat mein Kind immer wieder Bauchweh?
Bauchschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden im Kindesalter. Manchmal ist die Ursache schnell gefunden: ein Magen-Darm-Infekt, eine ungewohnte Mahlzeit oder eine vorübergehende Verstopfung. Schwieriger wird es, wenn ein Kind immer wieder über Bauchweh klagt – vielleicht über Wochen oder Monate – und zunächst keine eindeutige Erklärung dafür gefunden wird.
Manche Kinder haben vor allem nach dem Essen Beschwerden. Andere klagen morgens vor der Schule über Bauchweh, haben einen auffällig geblähten Bauch oder wechselnden Stuhlgang. Wieder andere können gar nicht genau beschreiben, wo es eigentlich weh tut.
Gerade bei wiederkehrenden Beschwerden lohnt es sich deshalb, nicht nur auf den Bauch selbst zu schauen.
Wiederkehrende Bauchschmerzen sind zunächst ein Symptom – keine Diagnose.
Entscheidend ist die Frage: Wann treten die Beschwerden auf, wodurch werden sie beeinflusst und welche weiteren Auffälligkeiten gibt es?
Dabei können Verdauung und Stuhlgang ebenso eine Rolle spielen wie Ernährung, Atmung, körperliche Spannung, Schlaf, Stress und die Regulation des Nervensystems. Gleichzeitig ist wichtig zu erkennen, wann eine weiterführende kinderärztliche oder fachärztliche Abklärung notwendig ist.
Bauchweh bei Kindern ist häufig – aber Bauchweh ist nicht gleich Bauchweh
Kinder nehmen Beschwerden sehr unterschiedlich wahr.
Besonders jüngere Kinder können Schmerzen häufig noch nicht genau lokalisieren oder beschreiben.
„Bauchweh“ kann deshalb vieles bedeuten.
Manchmal treten die Beschwerden plötzlich auf und verschwinden ebenso schnell wieder. Bei anderen Kindern entwickeln sich wiederkehrende Muster.
Interessant ist dann nicht nur die einzelne Bauchweh-Episode, sondern der Verlauf über einen längeren Zeitraum.
Dabei lohnt es sich beispielsweise darauf zu achten:
- Treten die Beschwerden vor oder nach dem Essen auf?
- Gibt es einen Zusammenhang mit dem Stuhlgang?
- Ist der Bauch häufig gebläht?
- Bestehen Verstopfung, Durchfall oder wechselnde Stuhlkonsistenzen?
- Kommen Übelkeit, Aufstoßen oder Völlegefühl hinzu?
- Treten die Schmerzen zu bestimmten Tageszeiten auf?
- Gibt es einen Zusammenhang mit Kindergarten, Schule oder besonderen Belastungssituationen?
- Wacht das Kind nachts aufgrund der Beschwerden auf?
- Bestehen zusätzlich Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schlafprobleme oder andere Beschwerden?
Auch die Frage „Wo tut es weh?“ kann wichtige Hinweise liefern.
Zeigt das Kind auf den Oberbauch, Unterbauch oder immer wieder auf die Region rund um den Bauchnabel? Ist der Schmerz eher rechts oder links? Kann das Kind den Schmerz überhaupt eindeutig lokalisieren?
Je genauer solche Muster erfasst werden, desto besser lassen sich mögliche Zusammenhänge einordnen.
Häufige Ursachen für wiederkehrende Bauchschmerzen bei Kindern
Hinter wiederkehrendem Bauchweh können sehr unterschiedliche Ursachen stehen. Nicht immer lässt sich ein einzelner Auslöser identifizieren – und manchmal wirken mehrere Faktoren gleichzeitig zusammen.
Verstopfung, auch wenn das Kind regelmäßig Stuhlgang hat
Verstopfung ist bei Kindern häufig und wird dennoch manchmal übersehen.
Denn Verstopfung bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein Kind mehrere Tage überhaupt keinen Stuhlgang hat.
Auch Kinder, die scheinbar regelmäßig zur Toilette gehen, können Schwierigkeiten mit der Darmentleerung haben.
Hinweise können beispielsweise sein:
- sehr harter oder trockener Stuhl
- schmerzhafter Stuhlgang
- auffällig große Stuhlmengen
- starkes Pressen
- das Gefühl einer unvollständigen Entleerung
- bewusstes Zurückhalten des Stuhls
- Bauchschmerzen vor dem Stuhlgang
- Besserung der Beschwerden nach der Darmentleerung
- wiederkehrender Blähbauch
Gerade jüngere Kinder entwickeln manchmal ein regelrechtes Zurückhalteverhalten: Hat der Stuhlgang einmal wehgetan, wird der nächste Toilettengang möglichst lange vermieden. Dadurch kann der Stuhl noch fester werden und ein Kreislauf entstehen.
Deshalb gehört die genaue Frage nach Häufigkeit, Konsistenz und Ablauf des Stuhlgangs bei wiederkehrenden Bauchschmerzen unbedingt dazu.
Ernährung und Essverhalten
Wenn Bauchschmerzen rund um Mahlzeiten auftreten, denken Eltern verständlicherweise schnell an eine Unverträglichkeit.
Das kann eine mögliche Erklärung sein – muss es aber nicht.
Zunächst lohnt sich ein breiterer Blick:
Wie regelmäßig isst das Kind? Wie viel trinkt es? Wie abwechslungsreich ist die Ernährung? Wie groß sind die Mahlzeiten? Isst das Kind sehr schnell? Gibt es bestimmte Lebensmittel, nach denen Beschwerden reproduzierbar auftreten?
Auch Veränderungen des Essverhaltens können interessant sein.
Ein Kind, das aufgrund erwarteter Bauchschmerzen zunehmend weniger oder nur noch sehr ausgewählt isst, sollte ebenso genauer betrachtet werden wie ein Kind, dessen Beschwerden konsequent nach bestimmten Mahlzeiten auftreten.
Je nach Beschwerdebild können auch Erkrankungen oder Störungen wie beispielsweise eine Zöliakie oder bestimmte Kohlenhydratmalabsorptionen differenzialdiagnostisch eine Rolle spielen und eine entsprechende ärztliche Abklärung erforderlich machen.
Wichtig ist deshalb:
Nicht jede Reaktion nach dem Essen bedeutet automatisch eine Lebensmittelunverträglichkeit.
Und nicht jedes verdächtigte Lebensmittel sollte vorschnell dauerhaft aus der Ernährung eines Kindes gestrichen werden.
Auch die frühe Ernährung gehört zur Vorgeschichte
Bei wiederkehrenden Verdauungsbeschwerden interessiert uns nicht nur, was ein Kind heute isst. Auch die Ernährung in den ersten Lebensmonaten kann Teil einer ausführlichen Anamnese sein.
Wurde das Kind gestillt? Wenn ja, wie lange wurde ausschließlich und wie lange insgesamt gestillt? Wurde Säuglingsnahrung zugefüttert oder vollständig damit ernährt? Wann wurde mit Beikost begonnen und wie wurde diese vertragen? Gab es bereits im Säuglingsalter auffällige Blähungen, Bauchschmerzen, Verstopfung, Durchfälle, Reflux oder andere Verdauungsprobleme?
Auch der Zeitpunkt, zu dem erstmals andere Nahrungsbestandteile und Fremdeiweiße beispielsweise Kuhmilchprotein aufgenommen wurden, kann für die Vorgeschichte interessant sein.
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt für die ersten sechs Lebensmonate ausschließliches Stillen und anschließend die Einführung geeigneter Beikost bei fortgesetztem Stillen. Ob und welche Bedeutung die frühe Ernährung für heutige Beschwerden eines älteren Kindes tatsächlich hat, lässt sich daraus jedoch nicht automatisch ableiten.
Deshalb betrachten wir Stillzeit, Säuglingsernährung und Beikostentwicklung als einen Baustein der Anamnese nicht als alleinige Erklärung für spätere Bauchbeschwerden.
Darm, Infekte und Mikrobiom
Auch die Vorgeschichte kann bei Verdauungsbeschwerden interessant sein.
Gab es beispielsweise einen ausgeprägten Magen-Darm-Infekt? Wurden wiederholt Antibiotika benötigt? Haben sich Stuhlgang oder Verdauung nach einer Erkrankung deutlich verändert?
Der Darm beherbergt eine komplexe Gemeinschaft verschiedener Mikroorganismen das sogenannte Darmmikrobiom. Seine Zusammensetzung und Funktion werden unter anderem durch Ernährung, Alter, Umweltfaktoren, Erkrankungen und Medikamente beeinflusst.
Das Mikrobiom ist Gegenstand intensiver Forschung. Gleichzeitig wäre es zu einfach, wiederkehrende Bauchschmerzen pauschal mit einem „gestörten Mikrobiom“ zu erklären.
Ob weiterführende Untersuchungen sinnvoll sind, sollte deshalb immer vom individuellen Beschwerdebild abhängen.
Der Bauch und das Nervensystem: Warum Stress tatsächlich Bauchweh machen kann
Fast jeder Erwachsene kennt das Phänomen:
Vor einer wichtigen Prüfung ist plötzlich der Magen unruhig. In einer belastenden Situation verschwindet der Appetit. Aufregung kann Übelkeit oder Durchfall auslösen.
Bei Kindern ist diese Verbindung ebenfalls vorhanden.
Darm und Gehirn stehen über komplexe neuronale, hormonelle und immunologische Signalwege miteinander in Verbindung. Häufig wird hierfür der Begriff Darm-Hirn-Achse verwendet.
Das bedeutet nicht:
„Das Bauchweh ist nur psychisch.“
Im Gegenteil.
Bauchschmerzen sind real. Gleichzeitig können Stress, Aufregung, Schlafmangel, Angst oder länger anhaltende Belastungen beeinflussen, wie Verdauungsvorgänge reguliert und körperliche Signale wahrgenommen werden.
Deshalb kann es wichtig sein zu fragen:
Treten die Beschwerden besonders an Schultagen auf? Vor bestimmten Situationen? In Phasen mit wenig Schlaf? Gibt es gleichzeitig Kopfschmerzen, Unruhe oder Einschlafprobleme? Oder zieht sich das Kind bei Beschwerden eher zurück?
Körperliche und emotionale Faktoren sind dabei keine Gegensätze.
Sie können sich gegenseitig beeinflussen.
Atmung, Zwerchfell und Bauchwand: Warum wir auch Funktion betrachten
Verdauung findet nicht isoliert in einem „Bauchraum“ statt.
Beim Atmen bewegt sich das Zwerchfell. Bauchwand, Becken und Rumpf reagieren auf diese Bewegung und auf Veränderungen des Drucks innerhalb des Bauchraums.
Deshalb kann es bei einer funktionellen Untersuchung sinnvoll sein, auch darauf zu achten:
Wie atmet das Kind?
Bewegt sich der Bauch beim Atmen entspannt mit?
Kann das Kind die Bauchwand loslassen oder besteht eine auffällig hohe Grundspannung?
Wie reagiert der Rumpf bei Bewegung?
Gibt es Bereiche, die auffällig angespannt oder empfindlich sind?
Solche Beobachtungen bedeuten allerdings nicht automatisch, dass beispielsweise eine veränderte Atmung oder erhöhte Gewebespannung die Ursache der Bauchschmerzen ist.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Nicht jede gefundene Auffälligkeit erklärt automatisch die Beschwerden. Entscheidend ist, ob sich mehrere Befunde zu einem plausiblen Gesamtbild zusammenfügen.
Bewegung, Haltung und körperliche Spannung
Bei länger bestehenden Beschwerden lohnt sich manchmal auch ein Blick über den Bauch hinaus.
Wie bewegt sich das Kind? Wie verhält sich der Rumpf bei Bewegung? Gibt es auffällige Spannungsmuster? Bestehen gleichzeitig Rücken-, Becken- oder Kopfschmerzen? Hat sich die Haltung verändert?
Gerade wenn Kinder aufgrund von Schmerzen bestimmte Bewegungen vermeiden oder den Bauch unbewusst schützen, können sich sekundär veränderte Bewegungsmuster entwickeln.
Auch hier gilt:
Eine funktionelle Auffälligkeit ist zunächst ein Befund.
Erst im Zusammenhang mit Anamnese, Beschwerden und weiteren Untersuchungsergebnissen lässt sich beurteilen, welche Bedeutung dieser Befund tatsächlich haben könnte.
Wenn medizinisch nichts Auffälliges gefunden wird: Funktionelle Bauchschmerzen
Für Familien kann es sehr belastend sein, wenn ein Kind immer wieder Schmerzen hat, Untersuchungen jedoch keine eindeutige organische Ursache zeigen.
Dabei bedeutet ein unauffälliger medizinischer Befund keineswegs, dass die Beschwerden nicht vorhanden sind.
Bei einem Teil der betroffenen Kinder liegen sogenannte Störungen der Darm-Hirn-Interaktion vor. Dazu gehören verschiedene Formen funktioneller gastrointestinaler Beschwerden.
Dabei können unter anderem die Verarbeitung von Signalen aus dem Magen-Darm-Trakt, die Darmbewegung und die Regulation über das Nervensystem eine Rolle spielen.
Das erklärt auch, warum die einfache Unterscheidung
„organisch oder psychisch“
bei wiederkehrenden Bauchschmerzen häufig zu kurz greift.
Der kindliche Organismus funktioniert als vernetztes System.
„Das ist bestimmt nur Stress“ – warum diese Erklärung zu kurz greifen kann
Gerade wenn medizinische Untersuchungen zunächst unauffällig bleiben, hören Eltern manchmal relativ schnell, die Beschwerden ihres Kindes seien vermutlich stressbedingt.
Stress und emotionale Belastungen können tatsächlich einen erheblichen Einfluss auf körperliche Beschwerden haben.
Trotzdem sollte diese Erklärung nicht vorschnell erfolgen.
Denn auch bei einem sensiblen oder stark belasteten Kind können gleichzeitig Verdauungsprobleme, Verstopfung, Ernährungsfaktoren oder andere medizinisch relevante Ursachen vorhanden sein.
Umgekehrt können anhaltende Bauchschmerzen selbst Stress erzeugen.
Das Kind macht sich Sorgen vor dem nächsten Essen, möchte nicht in die Schule, schläft schlechter oder beginnt bestimmte Situationen zu vermeiden.
So kann sich ein Kreislauf entwickeln.
Deshalb betrachten wir die Frage nicht als:
Körper oder Psyche?
Sondern eher:
Welche Faktoren beeinflussen sich bei diesem Kind möglicherweise gegenseitig?
Wann sollten Bauchschmerzen bei Kindern ärztlich abgeklärt werden?
Wiederkehrende Bauchschmerzen sollten grundsätzlich im Gesamtzusammenhang beurteilt werden.
Besonders wichtig ist eine kinderärztliche beziehungsweise
– je nach Befund –
weiterführende fachärztliche Abklärung, wenn zusätzliche Warnzeichen bestehen.
Dazu können unter anderem gehören:
- starke oder deutlich zunehmende Schmerzen
- anhaltendes oder wiederholtes Erbrechen
- Blut im Stuhl oder Erbrochenen
- Fieber oder deutlich reduzierter Allgemeinzustand
- auffällige Blässe oder ausgeprägte Erschöpfung
- unbeabsichtigter Gewichtsverlust
- auffällige Gewichts- oder Wachstumsentwicklung
- Beschwerden, durch die das Kind regelmäßig nachts aufwacht
- länger anhaltender Durchfall
- ausgeprägte oder persistierende Verstopfung
wiederkehrende Schmerzen mit weiteren auffälligen Begleitsymptomen
Auch das Alter des Kindes, die Dauer der Beschwerden, Vorerkrankungen und die individuelle Vorgeschichte spielen bei der Einschätzung eine Rolle.
Bei plötzlich auftretenden starken Bauchschmerzen oder einem deutlich beeinträchtigten Allgemeinzustand sollte eine zeitnahe medizinische Abklärung erfolgen. Eine funktionelle Untersuchung ersetzt deshalb keine notwendige kinderärztliche Diagnostik.
Sie kann vielmehr helfen, vorhandene Befunde und Beschwerden im Zusammenhang zu betrachten und zu erkennen, wo möglicherweise noch genauer hingeschaut werden sollte.
Wiederkehrendes Bauchweh: Was sollte man genauer anschauen?
Bei Kindern mit wiederkehrenden Bauchschmerzen interessieren uns deshalb verschiedene Ebenen:
VERDAUUNG & STUHLGANG
Wie häufig? Welche Konsistenz? Schmerzen? Zurückhalten? Blähungen?
ERNÄHRUNG & TRINKEN
Wann treten Beschwerden auf? Gibt es reproduzierbare Zusammenhänge mit Mahlzeiten oder bestimmten Lebensmitteln?
BAUCHWAND & ATMUNG
Wie bewegt sich die Bauchwand? Wie atmet das Kind? Bestehen auffällige Spannungsmuster?
BEWEGUNG & KÖRPERLICHE SPANNUNG
Wie bewegt sich das Kind? Gibt es begleitende funktionelle Auffälligkeiten?
SCHLAF & REGULATION
Wie schläft das Kind? Gibt es Unruhe, Erschöpfung oder andere Hinweise auf eine erhöhte Belastung?
ALLTAG & STRESS
Wann treten Beschwerden besonders häufig auf? Gibt es Situationen, in denen sie besser oder schlechter werden?
MEDIZINISCHE VORGESCHICHTE
Welche Untersuchungen wurden bereits durchgeführt? Gibt es Laborwerte, Arztberichte oder bekannte Erkrankungen?
Erst aus diesen einzelnen Informationen entsteht nach und nach ein Gesamtbild.
KörperRaum™ KinderFOKUS – Bauch & Verdauung
Wenn Bauchweh immer wiederkommt, möchten wir genauer hinschauen
Mit KörperRaum™ KinderFOKUS – Bauch & Verdauung haben wir ein diagnostisch orientiertes Format für Kinder entwickelt, bei denen wiederkehrende Beschwerden gezielter betrachtet werden sollen.
Dabei geht es zunächst nicht darum, möglichst schnell eine Behandlung zu beginnen.
Es geht um die Frage:
Was könnte hinter den Beschwerden dieses Kindes stehen – und welcher nächste Schritt ist sinnvoll?
Vorbereitung vor dem Termin
Bereits vor dem Termin erhalten die Eltern einen ausführlichen Anamnesebogen sowie eine zusätzliche Anamnese speziell zum Bereich Bauch & Verdauung.
Dadurch können wichtige Informationen zur Entwicklung, Ernährung, Verdauung, zum Stuhlgang, zu bisherigen Erkrankungen und Untersuchungen sowie zum Verlauf der Beschwerden bereits im Vorfeld erfasst werden.
Vorhandene relevante Arztberichte oder Laborbefunde können ebenfalls in die Betrachtung einbezogen werden.
Gezielte Untersuchung
Im Termin ergänzen wir die Anamnese durch gezielte Fragen und eine dem Beschwerdebild angepasste funktionelle Untersuchung.
Je nach Situation können dabei beispielsweise Bauch und Bauchwand, Atmung, Rumpf, Bewegung und körperliche Spannungsmuster betrachtet werden.
Welche Untersuchung tatsächlich sinnvoll ist, entscheidet sich individuell.
Zusammenhänge einordnen
Anschließend werden Anamnese, Beschwerdemuster, Untersuchungsergebnisse und – soweit vorhanden – medizinische Vorbefunde zusammengeführt.
Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, aus jeder Auffälligkeit eine Diagnose abzuleiten.
Vielmehr möchten wir unterscheiden:
Was erscheint relevant?
Was könnte zusammenhängen?
Was ist wahrscheinlich eher ein Nebenbefund?
Und welche Fragen sind möglicherweise noch offen?
Und was passiert danach?
Das Ergebnis eines KinderFOKUS-Termins muss nicht automatisch eine Behandlung sein.
Je nach Befund können ganz unterschiedliche nächste Schritte sinnvoll werden.
Manchmal steht zunächst die weitere Beobachtung im Vordergrund. In anderen Situationen kann eine erneute kinderärztliche oder fachärztliche Abklärung sinnvoll sein.
Auch vorhandene Laborwerte können relevant werden. Fehlen bei entsprechender Fragestellung wichtige Parameter, kann besprochen werden, ob eine gezielte laborchemische Abklärung über die Kinderärztin oder den Kinderarzt beziehungsweise eine andere behandelnde Fachpraxis sinnvoll erscheint.
Zeigen sich dagegen funktionelle Befunde, die zum Beschwerdebild passen, kann anschließend über mögliche therapeutische Schritte gesprochen werden.
Nicht jedes Kind braucht mehr Therapie.
Manchmal besteht der wichtigste nächste Schritt darin, genauer zu wissen, was weiter untersucht werden sollte – und was nicht.
Ein Bauchweh-Tagebuch kann wertvolle Hinweise geben
Bei wiederkehrenden Beschwerden kann es hilfreich sein, für einige Tage oder Wochen ein kleines Bauchweh-Tagebuch zu führen.
Dabei müssen Eltern nicht jedes Detail dokumentieren.
Hilfreich sind beispielsweise:
Datum und Uhrzeit
Wann beginnen die Beschwerden?
Essen und Trinken
Was wurde vorher gegessen oder getrunken?
Bauchschmerzen
Wo tut es weh und wie stark sind die Beschwerden?
Stuhlgang
Gab es Stuhlgang? Wie war die Konsistenz? War die Entleerung schmerzhaft?
Begleitsymptome
Blähungen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder andere Auffälligkeiten?
Situation
Schultag, Wochenende, Sport, besondere Aufregung oder Belastung?
Was hilft?
Wärme, Ruhe, Toilettengang, Bewegung, Essen oder Schlaf?
Ein solches Tagebuch kann manchmal Muster sichtbar machen, die im Alltag zunächst gar nicht auffallen.
Häufige Fragen zu Bauchschmerzen bei Kindern
Warum hat mein Kind ständig Bauchschmerzen?
Dafür gibt es keine einzelne Erklärung. Wiederkehrende Bauchschmerzen können unter anderem mit Verstopfung, Verdauung, Ernährung oder Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts zusammenhängen. Bei manchen Kindern spielen außerdem Veränderungen der Darm-Hirn-Interaktion, Stress und Regulation eine Rolle. Entscheidend sind Verlauf, Begleitsymptome und die individuelle Vorgeschichte.
Kann mein Kind verstopft sein, obwohl es jeden Tag Stuhlgang hat?
Ja. Die Häufigkeit des Stuhlgangs ist nur ein Kriterium. Auch sehr harter Stuhl, Schmerzen beim Toilettengang, starkes Pressen, Zurückhalten oder eine unvollständige Entleerung können Hinweise auf eine Verstopfungsproblematik sein.
Warum bekommt mein Kind nach dem Essen Bauchweh?
Beschwerden nach dem Essen können unterschiedliche Ursachen haben. Deshalb sollte nicht automatisch von einer Unverträglichkeit ausgegangen werden. Interessant ist unter anderem, ob die Beschwerden nach bestimmten Lebensmitteln reproduzierbar auftreten, wie schnell und wie viel das Kind isst und welche weiteren Symptome bestehen.
Können Stress und Aufregung bei Kindern Bauchschmerzen verursachen?
Ja. Gehirn, autonomes Nervensystem und Magen-Darm-Trakt stehen miteinander in enger Verbindung. Stress oder Aufregung können deshalb Verdauung und Schmerzwahrnehmung beeinflussen. Das bedeutet jedoch nicht, dass wiederkehrende Beschwerden vorschnell als „psychisch“ eingeordnet werden sollten.
Was sind funktionelle Bauchschmerzen?
Von funktionellen gastrointestinalen Beschwerden beziehungsweise Störungen der Darm-Hirn-Interaktion spricht man, wenn Beschwerden bestehen, ohne dass sie ausreichend durch eine strukturelle Erkrankung erklärt werden können. Die Schmerzen sind dabei real und können den Alltag eines Kindes erheblich beeinträchtigen.
Wann sollte ich mit meinem Kind zum Kinderarzt?
Insbesondere bei starken, zunehmenden oder anhaltenden Beschwerden sowie bei zusätzlichen Warnzeichen wie Fieber, wiederholtem Erbrechen, Blut im Stuhl, auffälliger Gewichts- oder Wachstumsentwicklung oder deutlich reduziertem Allgemeinzustand sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Auch länger bestehende wiederkehrende Bauchschmerzen sollten kinderärztlich eingeordnet werden.
Kann Osteopathie bei Bauchschmerzen helfen?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Zunächst sollte geklärt werden, welche Ursachen beziehungsweise Einflussfaktoren für die Beschwerden infrage kommen und ob eine medizinische Abklärung erforderlich ist. Zeigen sich bei der funktionellen Untersuchung relevante körperliche Befunde, kann anschließend individuell beurteilt werden, ob eine osteopathische Behandlung als ergänzender therapeutischer Ansatz sinnvoll erscheint.
Quellen & weiterführende Informationen
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine kinderärztliche Untersuchung oder individuelle medizinische Beratung.
Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) / Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE):
Elterninformation „Mein Kind hat Bauchschmerzen“
Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) / Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE):
Elterninformation „Mein Kind hat Verstopfung“
Rome Foundation:
Pediatric Disorders of Gut-Brain Interaction – internationale Kriterien und wissenschaftliche Grundlagen zu funktionellen Magen-Darm-Beschwerden im Kindes- und Jugendalter.
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